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Ein Königshof, an welchem die heile Welt vorgetäuscht wird und an dem eine schweigende Frau für Ungemach sorgt. Am Samstag präsentierte die Andwiler Thearteria ihr neues Stück. Die Premiere war ein Erfolg.

Barbara Kobelt
Andwil. Minutenlanges Schweigen. Das Theaterstück hat schon begonnen, doch es geschieht nichts. Vereinzeltes Räuspern aus dem Publikum, ein erwartungsvoller Blick Richtung Bühne, ein unsicheres Lachen. Es herrscht peinliche Stille.
Am Samstagabend feierte die Thearteria in Andwil die Premiere des Stückes «Yvonne, die Burgunderprinzessin». Auf einer steil abfallenden Bühne forderten die Theaterleute nicht nur sich selbst heraus, sondern auch die Zuschauenden im Andwiler Ebnet Saal.
In der Rolle des Hofstaates klatschte und jubelte das Publikum auf Befehl und nahm so an der gekünstelt und aufgesetzt wirkenden Welt des Königshofs teil. Eine Welt, die mit dem Auftreten der apathischen und kränklichen Yvonne langsam aber sicher zu bröckeln beginnt. Mit ihrem permanenten Schweigen und ihrer abweisenden Ausstrahlung bricht sie mit den Gesellschaftsnormen und treibt die Königsfamilie im Laufe des Stückes beinahe in den Wahnsinn.
Komik in den Gegensätzen
Mit «Yvonne, die Burgunderprinzessin» leistet die Thearteria aussergewöhnliche Arbeit. Die Hauptdarsteller der völlig gegensätzlichen Figuren von Prinz Philip und Yvonne stellen ihr ganzes Können unter Beweis. Er übt sich in bemühter Kommunikation, sie verflüchtigt sich in passives Schweigen. Dies erzeugt zuweilen komische Situationen.
Ein Flair für Orange
Komik blitzt auch an anderen Stellen auf. Etwa als der resignierte König Ignaz seiner zukünftigen Schwiegertochter aus purer Verzweiflung einen seiner orangen Wollsocken anbietet. «Ich habe ein Flair für Orange», kommentiert Regisseur Christian Kaeser. Bereits in den letzten beiden Stücken sei die Farbe immer wieder vertreten gewesen, sei das nun in Form eines Plüschpantoffels oder eines Paar Hosen.
Dieses Jahr bedeckt die Farbe allerdings weitaus grössere Flächen. Die gesamte zum Publikum hin abfallende Bühne ist orange-rot gestrichen. Auch die Mehrheit der Darsteller trägt ein farblich passendes Accessoire. Oder dann, wenn sie in der Rangordnung des Königshofs eher unten stehen, die Komplementärfarbe Blau.
Das Stück gefällt
«Die Bühne ist enorm wichtig», sagt Kaeser. Sie bietet die Möglichkeit, das Publikum miteinzubeziehen. Bei einer Bühne mit starkem Gefälle, wie es hier der Fall sei, gelinge das optimal. Bereits bei der Aufführung des Stücks «Der Geizige» von Molière hat Kaeser auf die Variante einer Arena zurückgegriffen.
«Ich möchte nicht, dass der Zuschauer nur konsumiert», sagt der Regisseur. Ein Ziel, das er mit «Yvonne, die Burgunderprinzessin» erreicht hat. Denn bei manch einer Szene lernen sich die Zuschauenden selber kennen. Wo bei den einen das Lachen über die Lippen kommt, bleibt es andern im Hals stecken. Gleichwohl ist am Ende klar: Das Stück gefällt.
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