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    Die Prinzessin ohne Worte
 
   

Desillusioniert und schweigsam – kaum die Eigenschaften einer Prinzessin. Im Theaterstück «Yvonne, die Burgunderprinzessin» der Thearteria in Andwil ist dies aber der Fall..

Barbara Kobelt

Andwil. Zwei unbesetzte Stühle stehen einsam in der Mitte des Raumes, auf dem Boden haften weisse Klebband-Streifen, die den groben Verlauf der Bühne kennzeichnen. Und kurze Zeit später sitzt sie da – die die Hauptprotagonistin des Stücks «Yvonne, die Burgunderprinzessin». Sie sitzt da und bringt überhaupt kein Leben auf die provisorische Bühne der «Thearteria». Und das wird sich auch bei grellem Scheinwerferlicht und kunstvoll gestalteten Kulissen nicht ändern. Denn Yvonne, die Burgunderprinzessin, tut nichts und sagt nichts. Sie schweigt.


Wenig Worte, viel Inhalt
Ihre immer anhaltende Passivität und Demotivation sind für niemanden nachvollziehbar, vor allem nicht für den jungen Prinz Phillip. Er lässt nichts unversucht, um ihr eine Erklärung für ihr seltsames Verhalten zu entlocken. Doch auf all seine Fragen erhält er nie eine richtige Antwort und wenn, dann nur eine, die bei ihm erneutes Unverständnis hervorruft. Durchaus begreiflich, dass die königlichen Eltern wie vom Donner gerührt sind, als Prinz Phillip seine Verlobung mit Yvonne bekanntgibt.

«Es ist ein Stück, das absurde sowie satirische Elemente gleichsam enthält», sagt der Regisseur Christian Kaeser. Er weiss, dass «Yvonne, die Burgunderprinzessin» ein zeitaufwendiges Theaterstück ist und von den Schauspielerinnen und Schauspielern viel Verständnis für die einzelnen Charaktere erfordert. «Die Figur muss aus dem Kern heraus geöffnetn werden und das gelingt nur, wenn man den Text mit all seinen Eigenheiten kennt und versteht.» Aus diesem Grund legt Christian Kaeser grossen Wert auf die genaue Einhaltung des Drehbuchs. Vorgegebene Regieanweisungen wie Sprechpausen seien schliesslich keine Skript-Verzierungen.


Proben ohne Unterbruch
Seit Mitte August studieren die Laienschauspieler die einzelnen Szenen ein. Dass die exakte Einhaltung des Textes nicht so einfach ist und sich Fehler gerne immer an den selben Stellen einschleichen, zeigt sich in den Proben. Das ist aber keinesfalls ein Grund zur Entmutigung. Ein kurzes «Oh, sorry», ein Augenzwinkern, und schon geht's weiter mit der Wiederholung der schwierigen Stelle.

Unterbrechungen gibt es kaum. Ausser dann, wenn Denise Weishaupt spontan einige Turnübungen absolviert - als Ausgleich zum ständigen Nichtstun der Prinzessin Yvonne. Auf Handy-Pausen wird bei den Proben ebenfalls verzichtet - gezwungenermassen. Denn im Keller des Primarschulhauses Ebnet in Andwil gibt es keinen Empfang. Viel Zeit bleibt auch nicht mehr, denn bereits in zwei Wochen ist Premiere. Bis dahin wird die Burgunderprinzessin mit Sicherheit die einzige sein, die lediglich dasitzt und nichts tut.


 
   

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