Tagblatt-Online Archiv © by St. Galler Tagblatt AG  
    Geld oder Liebe
 
   

Der Andwiler Theaterverein Thearteria hat sich für Molières «Der Geizige» entschieden


andwil. «Geiz ist geil» – auch die Mitglieder des Theatervereins Thearteria kennen diesen Spruch. Nur: Sie wollen nicht geizen, weder mit ihrem Können noch mit ihrer Zeit, auch wenn sie in diesem Jahr «Der Geizige» von Molière aufführen.

marianne bargagna

Was ist dem Geizkragen Harpagon, dem Protagonisten in Molières Stück, wichtiger, Geld oder Liebe? Die Andwiler Theaterleute werden diese Frage Ende Oktober und Anfang November beantworten. Bis dann nämlich werden sie Molières «Der Geizige» einstudiert haben. Und dass sie versuchen werden, das etwa 400-jährige Stück etwas der heutigen Zeit anzupassen, versteht sich von selbst. Denn sie sind ehrgeizig, voller Tatendrang, motiviert.

Professionelle Theaterarbeit
Unterstützt werden die Andwiler Theaterleute auch in diesem Jahr wieder von Regisseur Christian Kaeser. Thearteria-Präsident Marcel Sieber, Eliane Blumer, Petra Fürer und Ralph Ammann freuen sich darüber. Sieber sagt: «Kaeser hat uns angefragt, was wir in diesem Jahr planen.» Und nicht ganz ohne Stolz fügt er an: «Es gab noch zwei weitere Regisseure, die gerne mit der Thearteria arbeiten würden.» Dass sie Kaeser bekamen, sei für sie ein Glücksfall, sagt Sieber und fügt erklärend hinzu: «Er arbeitet hauptberuflich als Regisseur.» Die Thearteria-Leute, die sich als Amateur-, nicht als Laienschauspieler verstehen, können sich also einmal mehr auf eine professionelle Theaterarbeit freuen.

Spannende Aufgaben
Die Theaterleute haben sich für Kaeser entschieden. Und dieser hat ihnen bei der Auswahl des Stückes unter die Arme gegriffen. Eliane Blumer erinnert sich: «Wir haben querbeet Stücke gesammelt und eine Liste mit etwa 20 Titeln dem Regisseur geschickt.» Er kennt die Thearteria-Leute, also auch ihre Ressourcen, ihre Bühne von der Aufführung vor zwei Jahren. Regisseur und Theaterleute haben sich gefunden – im Stück «Der Geizige». Eliane Blumer ist überzeugt, dass sich dieses Stück an die heutige Zeit adaptieren lässt. Spontan kommen ihr Ausdrücke wie «Geiz ist geil» oder Prix garantie in den Sinn.

Eliane Blumer und Petra Fürer standen vor zwei Jahren zum ersten Mal auf den Thearteria-Brettern und möchten es in diesem Jahr wieder tun. Gleichzeitig sind sie für die Projektleitung verantwortlich. Das sei eine spannende Aufgabe, sagen beide. Sitzungen, Casting, Probenplan, Budget, dieses beträgt übrigens 65 000 Franken, Säle reservieren und vieles mehr stehen in ihrem Pflichtenheft.

Viel Arbeit
Auf die Bretter, die die Welt bedeuten, möchte auch Präsident Marcel Sieber. Dass neben all der anderen Arbeit der Aufwand gross wird, das weiss er, aber das nimmt der passionierte Schauspieler in Kauf. Er ist motiviert und mit ihm auch die übrigen Theaterleute. «Wir geben uns Mühe. Und wir gehen die Sache professionell an.» Im August beginnen die Proben, Premiere wird am 27. Oktober sein. Eine kurze Zeit, das wissen alle. Und sie wissen auch, was das bedeutet. Marcel Sieber erklärt: Zwei Proben pro Woche, Proben auch an Wochenenden – und das neben der täglichen Arbeit. Doch, wie man die Thearteria-Leute von früheren Aufführungen her kennt, sie werden diesen Balanceakt schaffen. Denn auch all jene Mitglieder, die nicht auf den Brettern stehen werden, werden tatkräftig Hand anlegen, an der Bar zum Beispiel, an der Kasse und überall dort, wo es nötig ist.



 
   

Schliessen