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    «Ein Volksfeind» hat bewegt  
    Die «thearteria» aus Andwil hat mit «Ein Volksfeind» ein spezielles Stück aufgeführt - eine Bilanz

andwil. Wer etwas wagt, muss mit allem rechnen. Das Stück «Ein Volksfeind» wurde zwar nicht zu einem Publikumshit. Doch hat die «thearteria» damit mit Sicherheit bewegt. Die Bilanz ist deshalb durchzogen.

Martin Brunner

Mit «Ein Volksfeind» von Henrik Ibsen wagte die «thearteria»-Truppe aus Andwil im vergangenen November den Schritt in eine ernste Richtung. Um Ausgrenzung ging es, um Macht, Gesellschaftspolitik, Opportunismus, Agitation und mehr. Mit einer gewagten Inszenierung hat die «thearteria» die Schauplätze von Henrik Ibsen - er lässt das Stück in einer normalen Stadt spielen - in eine psychiatrische Klinik verpflanzt. Dies und das Spiel mit der Drehbühne gaben der Inszenierung eine besondere Spannung. Schauspielerisch sorgten die Hauptrollen für Meisterleistungen. Doch weniger Leute als erhofft wollten das Theaterstück «Ein Volksfeind» sehen. Wie beurteilt Marcel Sieber, der Ressortleiter Theater, im Rückblick diese Produktion?

Thema hat beschäftigt
Sieber ist im Grundsatz überzeugt, dass er sich wieder für dieses Stück einsetzen würde. Es passe in die Zielsetzung der «thearteria», sich nicht auf einen speziellen Stil festzulegen, sagt er. «Unser Ziel war diesmal, nicht in erster Linie zu unterhalten, sondern zu bewegen.» Dies hätten sie erreicht. Bewegung sei nämlich auch in die Gruppe gekommen. «Die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftskritischen Thema hat uns allen sehr viel gebracht. Das Thema hat uns beschäftigt, privat und auf der Bühne.» Diese Beschäftigung scheint geblieben zu sein. Sieber weist darauf hin, dass er noch heute immer wieder Situationen antreffe, in denen er Vergleiche mit dem Stück anstellen könne. Ein Satz begleite ihn zum Beispiel, nämlich: «Was nützt es, wenn du das Recht auf deiner Seite hast, aber nicht die Macht?» «Im Alltag stelle ich ab und zu fest, wie wahr diese Aussage ist.» Oder auch der Begriff Agitation habe für ihn neue Bedeutung bekommen. Insofern habe ihn das Stück auch ein klein wenig verändert. Zur schauspielerischen Herausforderung erklärt Sieber, dass diese gross gewesen sei. Die einfache Bühne, die schlichten Kostüme hätten zu jedem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit auf das Schauspiel gelenkt. Er gesteht deshalb ein, dass die Vorbereitungszeit zu kurz geplant gewesen sei. Aus diesem Grund habe man die Premiere um eine Woche verschieben müssen.

Tiefere Zuschauerzahl
Bewegung brachte das Stück auch ins Publikum und in die Art der Gespräche nach der Aufführung. «Im Unterschied zu anderen Produktionen waren ziemlich schnell das Stück und seine Inhalte das Thema. Es wurden Fragen gestellt, Hintergründe diskutiert. Dies besonders auch deshalb, weil unser Regisseur eine psychiatrische Klinik als Spielort gewählt hatte.» Auch hier sei also das Ziel erreicht. Kein Problem ist für ihn, dass die Zuschauerzahl einiges tiefer gewesen war als bei früheren Produktionen. «Wir mussten feststellen, dass so ernste Themen nur wenige interessieren.» Aus diesem Grund sei diese Aufführung kein finanzieller Grosserfolg, aber auch kein Misserfolg gewesen. Als positiv beurteilt er den Ausflug nach Wil, wo zwei Aufführungen stattfanden.

Stossrichtung diskutieren
Die Nachbesprechungen und Analysen zu «Ein Volksfeind» sind zwar noch nicht abgeschlossen. Trotzdem hofft Marcel Sieber aus persönlicher Sicht, dass die «thearteria» auch in Zukunft Theaterstücke aufführen wird. «Doch in einem kulturellen Verein müssen wir im Gegensatz zu einem Sportverein immer wieder Gespräche führen und bestimmen, was wir wollen, welches unsere Stossrichtung ist», betont der Ressortleiter. Nicht zuletzt müssen die Aufgabenverteilung und die personelle Besetzung im Vorstand geklärt werden. Sicher ist, dass alle Beteiligten zu einem Schlussanlass eingeladen werden.

 

Person

Spezielle Stücke

Welchen Eindruck hatten Sie von «Ein Volksfeind»?

Mir hat das Stück sehr gut gefallen. Ich bewundere den Mut der «thearteria», ein so ernstes Thema zu wählen. Ich wurde als Zuschauerin zum Nachdenken herausgefordert. Die Schauspielenden haben Grossartiges geleistet. Lange Zeit merkte ich nicht, dass die Inszenierung in einer Psychiatrie spielte.


Was erhoffen Sie sich von der «thearteria» in Zukunft?

Ich bin keine grosse Kulturkennerin. Aber ich habe «Pygmalion» und «Ein Volksfeind» genossen und hoffe, dass die «thearteria» weiterhin spezielle Themen und Stücke auswählen wird.

Wie werden Sie Ihren Wettbewerbsgewinn umsetzen?

Ich habe mich für die Statistenrolle bei «Lüthi und Blanc» entschieden. Die Anmeldformulare habe ich ausgefüllt und abgeschickt. Ich weiss nicht, was auf mich zukommen wird. Aber ich freue mich auf diesen Tag. (mab.)

Angela Loher Wettbewerbsgewinnerin

 
   

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