| |
|
Der Andwiler Verein thearteria studiert
Ibsens Stück «Der Volksfeind» ein - Ein Blick in den Probebetrieb
Andwil. Ein Volksfeind, Ibsens Volksfeind, kommt nach Andwil, wird auf die
Bühne im Ebnet treten, acht Mal. Danach geht er nach Wil, zweimal wird
er dort im Stadtsaal auftreten. Dafür muss er proben, proben und nochmals
proben.
marianne bargagna
An einem ganz gewöhnlichen Wochentag tut sich
im Andwiler Ebnet Ungewöhnliches. «Pssst! Künstler an
der Arbeit. Bitte leise sein. Vielen Dank!» Hinter der Türe,
an der ein Zettel mit dieser Forderung, dieser Bitte hängt, Stimmen,
Lachen, eilige Schritte. Mitglieder des Vereins thearteria haben sich
zu einer der gut 30 Proben getroffen.
Ein bisschen subtiler bitte
Noch hat die Probe nicht begonnen, wird über Plakate diskutiert.
An Farbkübeln vorbei führt der Weg zur Bühne, der ebenso
wie den Schauspielerinnen und Schauspielern, noch der letzte Anstrich,
der letzte Schliff fehlt. Aber noch dauerts ein paar Tage bis zur Premiere,
noch ist Zeit. «Können wir?» Eher auffordernd denn fragend
tönen die Worte des Regisseurs Mirco Vogelsang. Sie können,
die thearteria-Leute, proben den ersten Akt. «Mach die Türe
bitte zu - lass dir etwas mehr Zeit - wir beginnen nochmals - das ist
mit zu eindeutig, ein bisschen subtiler bitte.» Laut und deutlich
die Anweisungen des Regisseurs. Er ist auf Draht, stürmt immer wieder
hinter seinem Tisch hervor nach vorne auf die Bühne, gibt Tipps,
beantwortet Fragen, machts vor, wie er eine Geste, ein Gesichtsausdruck
gerne sähe.
Stolpersteine
Und die Schauspielerinnen und Schauspieler? Sie achten auf ihren Meister,
schauen ihm genau aufs Maul, beachten seine Gestik, Mimik, fragen nach,
wiederholen, freuen sich und sind stolz, wenn Vogelsang sagt: «Gut,
das war wirklich gut, der Ausdruck, die Geste perfekt.» Sie spielen
die Geschichte des Kurarztes Thomas Stockmann, der entdeckt, dass in der
Stadt, in der er praktiziert, das Wasser verseucht ist. Und der erkennen
muss, dass nicht nur Grund und Boden seiner Gemeinde, sondern auch das
Gewissen ihrer Repräsentanten verpestet ist. Ein ernstes Thema also.
Ernst nehmen die Mimen denn auch ihre Arbeit. Das heisst aber nicht, dass
nicht gelacht werden darf. Und gelacht wird während den Proben. Wenn
zum Beispiel eine Schauspielerin oder ein Schauspieler über verbale
Stolpersteine strauchelt. Oder wenn der Fotograf, der die Probe hautnah
mitverfolgt, beinahe zum menschlichen Stolperstein wird.
Im Rohbau
Dann kommt die verdiente Pause. Becher werden gefüllt mit Mineralwasser,
Tee oder Kaffee, eine Zigarette wird angezündet, ein Vicks-Blau,
das die Stimmbänder beruhigt, gelutscht. Und es werden prosaische
Angelegenheiten besprochen. Dass zum Beispiel die Bühne erst im Rohbau
dasteht. Also auch sie, wie die Schauspieler selbst, noch des letzten
Schliffs, Anstrichs bedarf. Und neben den Farbkübeln steht ein alter,
hölzerner Klappstuhl. Der Regiestuhl? Nein. Der Regisseur erklärt,
was er unter einem Regiestuhl versteht und fragt, wer denn den Regiestuhl
von der Requisitenliste gestrichen hat? Niemand weiss es, aber alle wissen,
dass bis zur Premiere am kommenden Freitag der Regiestuhl aufgetrieben
werden muss. Die Pause ist vorbei. «Können wir?» tönts
wieder auffordernd vom Regietisch her. Sie können, die Schauspieler.
Und das werden sie während den kommenden Aufführungen beweisen.
Lust auf die Premiere?
Das «St. Galler Tagblatt» verlost fünf Tickets für
die «Volksfeind»-Premiere vom kommenden Freitag, 21. November.
Wer zu den glücklichen Gewinnern gehören und beim Verein thearteria
Premierengast sein will, kann am kommenden Montag, 17. November, zwischen
11 und 11.30 Uhr die Telefonnummer 071 388 99 66 wählen. Den ersten
fünf Anruferinnen und Anrufern lacht das «Volksfeind»-Glück.
Die Tickets können auf der Redaktion des «St. Galler Tagblatts»
an der Friedbergstrasse 12 in Gossau abgeholt werden. (mb.)
Zu Hause und auswärts
«Der Volksfeind» führt die thearteria im Andwiler Ebnet
auf: Freitag/Samstag, 21./ 22. November, jeweils 20.00; Sonntag, 23. November,
14.30; Mittwoch, 26. November, 19.30; Freitag/ Samstag, 28./29. November,
jeweils 20.00; Sonntag, 30. November, 16.30; Freitag, 5. Dezember, 20.00
Im Wiler Stadtsaal gastiert die thearteria am Freitag, 19. Dezember, 20.30,
und am Samstag, 20. Dezember, 20.00.
Reservationen unter www.thearteria.ch oder
071 383 91 62 montags und dienstags von 19 bis 21 Uhr und an den Aufführungstagen
von 14 bis 16 Uhr. (mb.)
|
|