Die
«thearteria» in Andwil ist mitten in den Vorbereitungen für
Henrik Ibsens «Der Volksfeind»
andwil. Die «thearteria» in Andwil setzt ihren
eingeschlagenen Weg, klassisches und hoch stehendes Theater zu bieten, fort.
Ibsens «Der Volksfeind» steht auf dem Programm. Die Proben laufen,
Premiere ist am 21. November, 20 Uhr.
Martin Brunner
Alle zwei Jahre versinken einige Frauen und Männer
aus dem Theaterverein thearteria für einige Wochen in ihrer gesamten
Freizeit in die Welt des Theaters. Dann, wenn für eine Produktion
geprobt wird, kommt ihre ganze Aufmerksamkeit dem Schauspiel zu. Das gilt
auch in diesem Jahr. Aufgeführt wird das Theaterstück «Der
Volksfeind» von Henrik Ibsen (1828-1906).
Zwei Weltanschauungen
«Das Stück handelt von einem klassischen Bruderzwist, klassisch
im Sinne auch der griechischen Welt», erklärt der Regisseur
Mirco Vogelsang. «Der Badearzt Dr. Thomas Stockmann und der Amtsrat
Peter Stockmann verkörpern zwei Figuren, die zwei komplett unterschiedliche
Weltanschauungen einnehmen.» Der Badearzt als Idealist stehe dem
Realismus seines Bruders gegenüber. «Letztlich geht es also
nicht um den Bruderzwist, sondern um den Kampf zwischen zwei Weltanschauungen.»
Für Vogelsang ist klar, dass der Idealist und der Realist gar nie
zusammenfinden können. Noch nicht verraten will er aber, wer der
Volksfeind wird. Er weist jedoch darauf hin, dass Ibsen selber in Norwegen
nicht gemocht wurde und selber ein Volksfeind gewesen war.
Aktuell und kontrovers
Besonders freut den Regisseur die Aktualität von Ibsens Stück.
In der heutigen Zeit könne plötzlich eine Hetze gegen eine Aussenseitergruppe
entstehen. Er denkt dabei an Ausländer, an Schwule, Künstler
und andere mehr. «Wenn Gruppen nicht der Norm entsprechen, werden
sie schnell als ‹Feind› abgestempelt.» Die «thearteria»
zeigt viel Mut, ein aktuelles und kontroverses Thema anzupacken. «Klar
besteht eine gewisse Gefahr, dass das Thema nicht gefällt»,
ist sich Vogelsang bewusst. «Doch das Theater soll nicht Wogen glätten,
sondern bewegen und gleichzeitig unterhalten.» «Ich bin sicher,
dass die Thematik nicht entscheidend ist, sondern wie wir das Stück
auf der Bühne umsetzen», sagt Marcel Sieber, verantwortlich
für den Theaterbereich. «Zudem wissen wir, dass wir mit Mirco
Vogelsang einen Regisseur haben, der auch heikle Themen gekonnt anpackt.»
Konzept bleibt geheim
Die Auswahl des Stücks verlief wie frühere Male auch. Mirco
Vogelsang legte dem Vorstand fünf Stücke zur Auswahl vor. Dieser
wählte im Hinblick auf eine mögliche Besetzung und die Anzahl
der Schauspielerinnen und Schauspieler eines aus. «Für uns
stand im Vordergrund, ob wir den Herausforderungen eines Stückes
genügen können, ob dieses vom Verein, aber auch vom Publikum
akzeptiert wird», sagt Sieber. Über das Konzept der Aufführung
wollen die «thearteria»-Leute noch nichts verraten. «Es
geht nicht um Geheimniskrämerei», betont Vogelsang. «Wir
haben aber bei früheren Stücken die Erfahrung gemacht, dass
die Überraschung wichtig ist für die gesamte Inszenierung.»
Klar ist, dass Vogelsang das Stück in die Gegenwart transferiert
hat. Überraschungen sind dabei wie schon in der Vergangenheit nicht
ausgeschlossen. Erstmals wagen die Theaterleute in diesem Jahr den Schritt
über die Gemeindegrenzen hinaus mit zwei Aufführungen in Wil
am 19. und 20. Dezember.
befragt
Starkes Vertrauensverhältnis
Was zieht Sie als Regisseur immer wieder nach Andwil?
Mit der Gründung der «thearteria»
setzte der Verein eine lange Andwiler Theatertradition fort. Gleichzeitig
wagte sie einen Schritt nach vorne und will wirklich gutes Theater bieten.
So viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit faszinieren mich. Zudem
konnten wir in den vergangenen Jahren ein starkes Vertrauensverhältnis
aufbauen.
Welche Arbeiten stehen für Sie zurzeit auch noch im Vordergrund?
Ich bin seit zehn Jahren in der Schweiz und arbeite
vor allem als Drehbuchautor. Zurzeit bin ich in den Vorbereitungen für
meinen ersten Spielfilm. Professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler
aus der Schweiz werden darin vorkommen. Drehorte sind das Engadin und
Nidwalden. Ein grosser Erfolg wurde ein Stück an der Märchenbühne
in Stans.
Welchen Bezug haben Sie zu Ibsen?
Ibsen hat mich während meines ganzen Studiums
begleitet. Mit seinem Theaterstück «Der Volksfeind» habe
ich nach dem Literaturstudium am Theater in Hannover meine ersten Gehversuche
als Hospitant unternommen. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass ich
zum ersten Mal einen Ibsen inszenieren darf. (mab.)
Mirco Vogelsang Regisseur
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