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Am
Samstag, 17. November, hat die Komödie von George Bernard Shaw im Andwiler
Ebnet Premiere
Die Thearterie Andwil ist zurzeit unter der Regie
von Mirco Vogelsang intensiv mit den Proben zur Komödie "Pygmalion"
von George Bernard Shaw (1856 bis 1950) beschäftigt. Dieses Werk
bildete 1956 die Grundlage für das Musical "My Fair Lady".
RALPH A. OTTINGER
andwil. Acht verschiedene
Stücke hatte Profi-Regisseur Mirco Vogelsang dem Verein Thearteria
Andwil zur Auswahl vorgelegt. Natürlich habe er selber einen Favoriten,
stellte er dabei fest, aber er überliess die Entscheidung vollständig
den künftigen Schauspielerinnen und Schauspielern. Diese entschieden
sich dann nach der Lektüre einhellig für "Pygmalion"
von George Bernard Shaw. Dies entsprach zwar nicht dem geheimen Wunsch
des Regisseurs. Dieser zog dann aber zur Verblüffung der Andwiler
gleich ein perfektes Inszenierungskonzept "aus dem Hut". Aber
er beschwor den Probenbesucher: "Bitte nichts verraten. Wir wollen
damit an der Premiere eine Art Knalleffekt verursachen."
Kein Musical
Gute Musicals entstehen in der Regel aus erfolgreichen Theaterstücken.
So hat beispielsweise zu "Kiss Me, Kate" William Shakespeares
"Der Widerspenstigen Zähmung" Pate gestanden. Und "My
Fair Lady" entstand eben 1956 nach Shaws Komödie "Pygmalion",
die bereits 1913 uraufgeführt wurde und dann um die ganze Welt ging.
Leider hat das Musical das Original inzwischen ein wenig verdrängt,
aber in Andwil wird man zweifellos erleben können, was für ein
grandioser Dramatiker George Bernard Shaw war. Den Namen "Pygmalion"
entlieh sich der Autor aus den "Metamorphosen" des römischen
Dichters Ovid (43 v. Chr. bis 17 n. Chr.). Hier schafft sich nämlich
der griechische Bildhauer Pygmalion eine weibliche Statue von solcher
Vollendung, dass er sich grenzenlos in sein eigenes Werk verliebt. Auf
sein inständiges Bitten hin erweckt die Göttin Aphrodite die
Figur zum Leben. Dieses Geschöpf hat nun zwar ein Leben - aber leider
keine Seele. Bei Shaw ist es Professor Henry Higgins, der aus der ordinären
Blumenverkäuferin Eliza, Tochter des Müllkutschers Alfred Doolittle,
eine Dame der Gesellschaft macht. Allerdings erweist er sich dabei nicht
eigentlich als Schöpfer, sondern eher als Dresseur. Fast bis zuletzt
sieht er nämlich in ihr nur das "Forschungsmaterial" für
seinen Sprechunterricht. Dabei entgeht es ihm, dass Eliza ein völlig
anderer Mensch wird. Sie ist ihm dann sogar noch moralisch überlegen.
Während das Musical "My Fair Lady" der Komödie ein
Happy End gibt, lässt Shaw in seinem Werk das Ende raffinierterweise
offen.
Eine Erstaufführung
"Pygmalion" von und nach George Bernard Shaw ist weltweit längst
bekannt. Aber trotzdem wird es in Andwil eine Art schweizerische Erstaufführung
geben. Denn Mirco Vogelsang nahm sich nicht nur das Werk in seiner traditionellen
Form vor, sondern er hat aus dem englischen Original noch eine weitere
Szene ins Deutsche übersetzt, die bisher bei allen Aufführungen
- möglicherweise aus dramaturgischen oder personellen Gründen
- gestrichen wurde: Ein Botschaftsempfang am Ende des dritten Aktes. Dieser
Trick ermöglicht es nämlich der Thearterie Andwil, einige Darsteller
mehr einzusetzen, die sonst bei der traditionellen Inszenierung dieses
Stückes nicht hätten mitwirken können. Ein Amateurtheater
funktioniert eben anders als eine Profibühne!
Sechs Aufführungen
Nach der Premiere vom 17. November wird es weitere fünf Vorstellungen
geben, am 21. und 24. November sowie am 1., 2. und 8. Dezember. Sollte
der Inszenierung ein grosser Erfolg beschieden sein, was ihr zu wünschen
ist, könnte eine Zusatzvorstellung eingeschoben werden, die bereits
vorbereitet ist. "Pygmalion" ist eine Komödie mit überaus
spritzigen Dialogen, wobei seine Personen so viel Witz und Farbe besitzen,
dass sie längst zu den populärsten Figuren des Theaters überhaupt
gehören.
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